Glas hat mich immer schon fasziniert. Es ist hart und zerbrechlich, aber es verändert sich mit dem
Licht. Es ist immer der Augenblick, der fesselt. Dieser Widerspruch – ein kurzer Moment,
festgehalten in einem starren, unveränderbaren Material – wurde dann auch bestimmend für meine
Figuren.
Sie alle machen etwas: sie lehnen an einem Baum, schauen auf ihr Handy, sind in ein Gespräch
vertieft, winken im Fortgehen ohne sich umzudrehen, sitzen auf einem Barhocker und halten einen
Kaffeebecher in der Hand, oder ihren Hut fest, damit er nicht vom Wind fortgeweht wird.
Nie ist es die Pose, sondern immer die selbstvergessene Haltung, die mich interessiert.
(Anlage Fotos: „Die vier Grazien“, „Straßenszene“, „Frau am Meer“, „Rauchende“,
„Schaukelnde“, „Nachdenkende“)
Meistens habe ich Frauen oder Mädchen im Kopf; einfach weil sie anmutiger, graziler und bunter
sind. Sie alle passen auf ein Din a4-Blatt. Sie alle sind im Profil oder in Rückenansicht, weil Augen,
Nasen oder Münder mit Glas in der Größe nicht gestaltbar sind.
Illusion der Dreidimensionalität:
Die Figuren sollen „frei“ im Raum stehen und nicht an einer Fensterscheibe kleben. Doch wie kann
das gehen? Ich fand eckige Flaschen, die eine Haftfläche für die Figuren bieten, aber selber
möglichst unscheinbar sind. Sie können auch als Vase dienen. Aber im Grunde suche ich andere
Möglichkeiten, den Figuren eigene Standfestigkeit zu geben. Mal ist es ein Stück Holz oder eine
eigens gefertigte Laterne, eine Bank oder ein Zaun, an den sich die Figuren anlehnen und so
„allein“ stehen können.
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